Finanzkrise veranlasst die Automobilzulieferer zu mehr Controlling
Die Hiobsbotschaften in der Automobilindustrie nehmen derzeit kein Ende: Absatzeinbrüche, Überkapazitäten, Freisetzung von Leiharbeitern, Kurzarbeit und Insolvenzen sind aktuell an der Tagesordnung.
Die Beweggründe der negativen Auswirkungen auf die Zulieferindustrie dürfen aber nicht nur auf externe Faktoren zurückgeführt werden. So lautet das Ergebnis einer Umfrage der anp management consulting GmbH Anfang des Jahres bei der rund 60 Manager aus der Automobilindustrie befragt worden sind.
Nach Meinung der Verantwortlichen lassen primär falsche Entscheidungen im Management und im Bereich der Investitionspolitik aufgrund mangelnder Marktkenntnisse und Erwartungen, ein viel zu hoher und teurer Bestand des Personals, eine meist zu geringe Kapitalquote sowie, die teilweise hohe Produkt- und Kundenabhängigkeit schnell zu vermutende Hauptursachen zu Tage treten:
Strategische Mängel sowie Mängel des operativen Controllings und folglich eine zu späte Lokalisierung der Problembereiche.
Strategische Instrumente, die als Frühwarnsystem fungieren, sorgen in den einzelnen Abteilungen bis hin zur Geschäftsführung in Krisenzeiten für eine unabdingbare Transparenz und die nötige Sensibilität. Peter Nagel, Geschäftsführer der anp management consulting GmbH, äußerte sich dazu folgendermaßen: „Es ist nicht zu erwarten, dass die Zulieferindustrie in absehbarer Zeit noch einmal eine solche Entwicklung durchlebt. Viele Unternehmen werden aus dieser Krise Konsequenzen ziehen und Lerneffekte generieren – die Lehren und Empfehlungen von Igor Ansoff sind somit aktueller denn je.”
Befragte Automobilisten sind zu 34 Prozent der Meinung, dass hauptsächlich interne Fehlentscheidungen der letzten Jahre beim Management zu der aktuell prekären Lage der Zulieferer beigetragen haben. Hier wird insbesondere der Mangel von strategischen Controllinginstrumenten im Vorfeld der Finanz- und Liquiditätskrise genannt:
Ein Manager eines mittelständischen Automobilzulieferers stellt fest: „Strategien werden oftmals nicht mehr systematisch entwickelt, konsolidiert und konsequent umgesetzt, sondern man lässt sich vom Tagesgeschäft treiben.“ Des Weiteren ergänzt ein Businessmanager: „Hinzu kommt die Einflussnahme der sog. „Heuschrecken“, deren Mitwirken bei der Unternehmenspolitik in vielen Fällen wenig erfolgreich war.“
Weiterhin kommen laut Meinungen von Experten externe Vorgaben und Zwänge seitens der Automobilhersteller und Kapitalgeber hinzu, welche die Voraussetzungen der Zulieferer selten berücksichtigen. Damit beschleunigt die Finanzkrise den weiteren „shake-out“ der Zulieferer, an dessen Ende sich die Spreu vom Weizen trennt. Andererseits existieren Unternehmen, die wesentlich besser vorbereitet waren und die Krise ohne größere Einbußen überstehen werden.
Über 44 Prozent der Manager führen die kritische Situation auf externe und interne Ursachen zurück. Dagegen machen rund 22 Prozent der Befragten ausschließlich externe Einflüsse sowie die globale Finanzkrise, Politikversagen im Bereich der CO2 Steuer, steigende Rohstoffpreise sowie die Verlagerung von Standorten ins Ausland für die Krise verantwortlich.
Das interessante daran ist, dass nahezu alle Unternehmen, die nach dem amerikanischen Shareholder Value Konzept geführt werden, in Schwierigkeiten geraten sind. Unternehmen, die unbeschadet aus der Krise hervorgehen, werden alle unternehmerisch geführt.
Der einzige Lichtblick, so die Aussage der Experten, in den nächsten Jahren ist der bevorstehende ökologische Strukturwandel sowie die stabilen Ausgaben für Forschung und Entwicklung der Fahrzeughersteller.
Rund 54 Prozent der Manager sehen die Chance, gestärkt aus der Krise hervorzugehen, aus den Fehlern zu lernen und sich in der nächsten Strategierunde besser auf die Gegebenheiten der zukünftigen Marktsituation einzustellen.
Quelle: www.anp-consulting.com
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